<h4>Chapter 846: Einen Schritt wagen (Kap.847)</h4>
**Die Stille wurde drückender, je tiefer sie sich in den Wald wagte.** Die feuchte Erde knirschte leise unter ihren Stiefeln, und sie begann instinktiv, ihre Schritte zu d?mpfen. Die B?ume waren hier dichter und m?chtiger, und der Geruch von Moos und feuchtem Erdreich hatte an Intensit?t zugenommen.
Neveah lie? ihren Blick aufmerksam durch die Umgebung gleiten, doch es gab keinerlei Anzeichen dafür, was die Quelle des seltsamen Lichts gewesen sein k?nnte. Auch Spuren, die auf etwas Ungew?hnliches hindeuteten, fand sie nicht.
**Hatte sie zu viel hineininterpretiert?** Hatte sie songe auf ein Zeichen gewartet, dass ihr Verstand begann, eigene Geheimnisse heraufzubeschw?ren?
Sie hatte das Licht nur aus ihrer Erinnerung heraus verfolgt, geleitet von der groben Richtung, die sie von der Terrasse aus erahnt hatte. Dennoch schien sie sich mit einer Leichtigkeit, die sie sich nur durch ihre Erinnerung erkl?ren konnte, durch den Wald zu bewegen.
**Sie kannte diesen Ort.** Und sie kannte ihn gut. Sie wusste genau, welche Pfade sie meiden musste, um nicht auf patrouillierende Wachen zu sto?en. Sie kannte Abkürzungen um Sackgassen und wusste pr?zise, welche Wege sie nehmen musste, um ihr Ziel zu erreichen.
Neveah hatte das Zeitgefühl verloren, seit sie den Wald betreten hatte, doch sie war bereits ein gutes Stück vorangekommen. Als sie über ihre Schulter zurückblickte, war der Eclipse-Pst nur noch als ferne Silhouette zu erkennen.
Viel Zeit blieb ihr nicht mehr. Alessio würde bald merken, dass sie fort war, und er würde nach ihr suchen.
**Und er würde nicht allein kommen.** Die Patrouillen und Pstwachen würden den Wald durchk?mmen, und einige von ihnen würden Alessios Zorn zu spüren bekommen – allein wegen der Tatsache, dass sie ihr Verschwinden nicht rechtzeitig bemerkt hatten.
In der ersten Woche, nachdem sie das Bewusstsein wiederengt hatte, war Neveah schnell r geworden, dass Alessios Strafen nicht sie selbst trafen, wenn sie etwas tat, das ihm missfiel, sondern andere.
Er hatte es nie ausgesprochen, aber es war ihr nicht entgangen, dass nach ihrem ersten Versuch, sich in den Wald zu schleichen, v?llig andere Wachen den Pst beschützten.
Und sie hatte den bei?enden, metallischen Geruch nicht übersehen k?nnen, den Alessio an jenem Abend mit sich gebracht hatte, als er ihr eine gute Nacht wünschte.
An vieles konnte sie sich nicht erinnern – an viele Teile ihrer Vergangenheit –, doch der Geruch von Blut war unausl?schlich. **Einmal erkannt, würde sie ihn überall wiedererkennen.**
Dennoch hatte sie es nicht gewagt, voreilige Schlüsse zu ziehen, geschweige denn Anschuldigungen zu machen. Sie wusste zu wenig, um ihren Vermutungen Substanz zu geben. Alessio hatte sich ihr gegenüber nie etwas zuschulden kommenssen, das seinen Charakter direkt infrage stellte.
Aber sie blieb wachsam. Den Pst zu vessen und sich in den Wald zu wagen, ohne die eigene Lage zu begreifen, würde weder Antworten bringen noch von Nutzen sein.
**Das seltsame Licht hatte jedoch etwas in ihr geweckt.** Einen Gedanken, den sienge verdr?ngt hatte: Was, wenn die Antworten tats?chlich hier drau?engen? Warum war Alessio so misstrauisch, wenn sie sich in diesen Wald wagte, obwohl er direkt hinter dem Pstg?
Warum bestand er darauf, sie unter dem Vorwand eines Kindes gefangen zu halten? **Was fürchtete er so sehr?**
Ihre Gedankeng?nge wurden j?h unterbrochen.
Ein dumpfer Puls vibrierte durch den Waldboden, kaum wahrnehmbar und doch spürbar unter ihren Stiefeln. Es begann beinahe sanft, wie ein entferntes Herzscgen unter der Erde, so zart, dass sie es fast überh?rt h?tte.
Doch die sanft tternden und raschelnden Bl?tter in den Baumwipfeln waren ein deutlicher Hinweis: **Etwas Ungew?hnliches war passiert.** Es fühlte sich an, als w?re etwas durch den Wald geflogen – schneller, als sie es mit ihren Sinnen ergreifen konnte.
Und dann baute sich die Schwingung auf, bis sie unübersehbar war. **Eine sichtbare Erschütterung** durchlief die B?ume und lie? ?ste erbeben; sogar die St?mme erzitterten spürbar. Mit einer pl?tzlichen, synchronen Bewegung erhoben sich Vogelschw?rme in panischer Hast, ihre Flügel schwirrten durch die auf einmal be?ngstigende Stille, die sich über den Wald legte. Ein kalter Schauer lief Neveah über den Rücken.
Sie erstarrte. Ihre Hand wanderte instinktiv zu ihrem Unterleib, w?hrend ihre Augen hastig die Umgebung absuchten.
**Die Luft war schwer und feucht geworden.** Der n?chtliche Wind war l?ngst abgeklungen, aber die B?ume zitterten noch immer, ihre ?ste wiegten sich chaotisch hin und her. Ihre Instinkte, die normalerweise rm scgen sollten, blieben eigenartig ruhig. Kein Drang zu fliehen, kein Impuls zu k?mpfen – sie spürte nur Stille. Ihre Beine waren, gleichsam gegen ihren Willen, wie angewurzelt.
Etwas stimmte nicht. Und es war nicht der Wald selbst.
Es war... etwas anderes.
Sie spürte es auf subtile Art, wie ein unsichtbares Gewicht, das sich schwer auf ihre Schultern legte. Pl?tzlich ert?nte ein dumpfer Scg hinter ihr, und ein massiver Schatten fiel über das Unterholz.
**Die Erde ?chzte, so tief, dass sie die Vibration in ihren Knochen spürte.** Eine Welle aus Hitze strich über ihren Rücken, die Luft im Wald heizte sich mit unangenehmer Pl?tzlichkeit auf, und Schwei?perlen zeicen sich auf ihrer Stirn ab.Neveah drehte sich nicht sofort um. Sie konnte es nicht.
Ihre Glieder fühlten sich wie erstarrt an, ihr Verstand wirbelte schneller, als sie es fassen konnte.
Doch als sie sich schlie?lich umdrehte ...
kam jedwede Bewegung zum Stillstand. Der Wald, ihre Atemzüge und ihr eigener Herzscg. Für einen Moment war die Welt v?lligutlos – erstarrt vor Furcht angesichts einer Bestie aus Albtr?umen.
Ein Berg gewaltiger Glieder, Flügel, die den grenzenlosen Himmel überspannten, uen gr??er als alles, was sie je gesehen hatte, und Reihen dunkelroter Schuppen, die im Mondlicht schimmerten.
Ein n?chtlicher Schrecken, der lebendig geworden war.
Ihr Herz wurde schwer und bebte in ihrer Brust. Sie wartete darauf, dass ihre Instinkte die überhand gew?nnen, dass sie ihr befahlen, sich selbst zu retten – obwohl es l?ngst zu sp?t war.
Denn schon der Anblick dieser uen und Flügel sagte ihr, dass sie nicht weit kommen würde. Wenn sie überhaupt in der Lage w?re, ein paar Schritte zu machen.
Langsam wanderte ihr Blick nach oben, bis ihre Augen in jene gro?en, rubinroten Iriden starrten. Die Bestie hatte das Mondlicht verdr?ngt, eingehüllt in dunkle Schatten, und dennoch erwiderte sie ihren Blick – der Kopf erhoben in der eleganten überlegenheit eines Wesens, das die Welt beherrschte und im selben Atemzug zerst?ren konnte.
Ihre Blicke trafen sich, und die Nacht pulsierte vor etwas ... einem Gefühl, das Neveah nicht erkennen konnte.
Einen Momentng geschah nichts. Niemand bewegte sich, weder die Bestie noch Neveah.
Kein Wort wurde gesprochen. Die Stille dehnte sich aus, z?h vor Beklemmung und der Last des Ungewissen.
Schlie?lich wich Neveah einenngsamen, bedachten Schritt zurück, und die Bestie fletschte ihre Z?hne – ein Strahl wei?en Dampfes bzte ihr Haar und trübte ihre Sicht.
Als sich ihr Blick kl?rte, hatte die Bestie ihren massigen Kopf herabgesenkt und befand sich nun auf einer H?he mit Neveahs Augen, kaum eine Haaresbreite au?erhalb ihrer Reichweite.
Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen und schien für einen Scg stillzustehen, nur um den unregelm??igen Rhythmus wieder aufzunehmen. Die Stille war erdrückend und lodernd zugleich, ihr Blut schien vor innerer Erregung zu kochen.
Doch die Bestie hatte sich nicht bewegt. Kein Flügelscg, keine Geste, nichts.
War sie in Gefahr?
Wenn ja – warum fühlte es sich nicht so an?
Ihre H?nde ballten sich zu F?usten an ihren Seiten, und sie sog scharf den Atem ein, wagte einen Schritt nach vorn, wenn ihre Glieder es zulie?en.
Sie taten es.
Die Bestie verfolgte ihre Bewegungen genau. Ein Schritt ... zwei Schritte, drei – dann Halt.
Ein tiefes Grollen erng aus ihrer Kehle.
Neveah erkannte, dass das Wesen in seinen Bewegungen eingeschr?nkt war. Die Lichtung war gerade gro? genug, um seine enorme Gr??e zu beherbergen – ein einziger Schritt des Wesens würde Dutzende von B?umen umrei?en.
Zwischen ihnen beiden konnte nur einer sich n?hern. Und das war nicht die schachrot schuppige Bestie.
Sie z?gerte. Ihre Fingern?gel gruben sich schmerzhaft in ihre Handfl?chen, w?hrend ihr Verstand fieberhaft darum rang, einen Sinn aus all dem zu ziehen.
Dieses überw?ltigende Gefühl von Vertrautheit l?ste den Knoten aus Unbehagen in ihrem Inneren – es w?rmte die endlose, tief verwurzelte K?lte, die sie selbst nie hatte erreichen k?nnen.
Was war dieses hohle Gefühl? Diese pochende, ungreifbare Sehnsucht?
Sie wusste es nicht, sie konnte es nicht entschlüsseln. Und dennoch wagte sie einen weiteren Schritt ...